servicewüste schweden

Eine Tragödie in einem Aufzug.

Dramatis personae:

Kun|de, der; -n, -n = Person, die in einem Geschäft etwas kaufen möchte.

Ver|käu|fer, der; -s, – = Person, die in einem Geschäft etwas verkaufen möchte.

Die Bühne zeigt ein schwedisches Möbelhaus: ein auf dem Fußboden betonierter Gang, links und rechts hohe, sich im Dunkel der Bühnendecke verlierende Regale, in denen Holzlatten und Pappkisten liegen. Links im Vordergrund befindet sich ein Tresen mit einem Flachbildschirm. Rechts im Vordergrund eine Drahtregalkonstruktion ohne Inhalt, darüber ein gut lesbares Plakat mit der Aufschrift „SOLIG Solarleuchte 12,99 €“.
Das Spiel beginnt an einem Freitagabend um 19:30 Uhr. Vereinzelt läuft eine Person durch die Gänge, betrachtet die Latten und Kartons, schiebt gebeugt einen großen Einkaufswagen weiter und verschwindet wieder hinter der Bühne. Im Vordergrund rechts sitzt Verkäufer auf dem Boden und schraubt gedankenverloren an einem MALM-Element herum.

Kunde: (tritt von links auf die Bühne, betrachtet das Plakat über dem Drahtregal, schaut in das Regal, schaut wieder auf das Plakat, schaut sich um, geht schließlich auf Verkäufer zu. Bleibt eine Weile vor Verkäufer stehen.)
Entschuldigung…

Verkäufer: (reagiert nicht, schraubt weiter am MALM-Element herum)

Kunde:
Entschuldigung, kann ich Sie kurz was fragen?

Verkäufer: (verdreht die Augen)
Oh nee!

Kunde:
Ich suche Balkonbeleuchtung. Im Regal ist nichts mehr, kann ich noch anderswo welche finden?

Verkäufer:
Was?

Kunde:
Balkonbeleuchtung. Ist nicht mehr im Regal.

Verkäufer:
Wasn für Balkonbeleuchtung?

Kunde:
Solarleuchten. Heißen SOLIG.

Verkäufer:
Ähä. Und was sollen die kosten?

Kunde:
12 Euro 99.

Verkäufer:
Und wo sollen die sein?

Kunde:
Wahrscheinlich da im Regal, sind aber keine mehr drin.

Verkäufer:
Tja. Dann ham wa wohl keine mehr.

Kunde:
Liegen die nicht vielleicht noch irgendwo anders?

Verkäufer:
Hm. Muss ich im Computer mal sehen. (bewegt sich langsam auf den Tresen zu, ruckelt an der Maus) Wie sollten die heißen?

Kunde:
SOLIG. So wie die ganze Sommerkollektion dieses Jahr.

Verkäufer:
Mhm. (tippt ausgiebig auf der Tastatur herum) Das zeigt mir jetzt aber ein bisschen viele Ergebnisse. (dreht den Bildschirm so, dass Kunde sehen kann, was dort steht)

Kunde:
Ja, das sind wohl alle Teile der Sommerkollektion, die Dekosachen, die Badetücher…

Verkäufer:
Nein.

Kunde:
Ich wollte eigentlich wissen, ob es irgendwo noch diese Lampen gibt.

Verkäufer:
Muss ich mal nach dem Preis sehen… Was sollen die kosten?

Kunde:
12 Euro 99.

Verkäufer: (sucht ausgiebig die Produktliste auf und ab)
Hm. Da isses wohl.

Kunde:
Ja. Aber da steht eine Null, das heißt wohl, es sind keine mehr da.

Verkäufer:
Genau. (grinst und kichert)

Kunde:
Und bekommen Sie denn noch mal welche?

Verkäufer:
Nee. Dieses Jahr nich. Müssen Sie nächstes Jahr früher kommen. So im März.

Kunde:
(geht gesenkten Hauptes in Richtung Bühnenausgang und verschwindet)

Chor und Verkäufer:
Und die Moral von der Geschicht: Was da nicht liegt, das ham wir nicht.

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Eine Antwort to “servicewüste schweden”

  1. the rufus Says:

    Uhahaaaaaaaaa – ich komme dann im März 2010 wieder und lese dann den 2. Akt … 😆

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